Übersicht pädagogischer Ziele & Inhalte
Unser Selbstverständnis
Wir verstehen unsere Arbeit als familienunterstützend und familienergänzend. Der Glücksfang ist eine ganzheitliche Erfahrungsstätte, ein Raum, in dem Platz für jedes Kind, unabhängig von Geschlecht, Religion, Nationalität und gesellschaftlicher Stellung ist.
Das Kind als Individuum ist der Ausgangspunkt und das Ziel unserer pädagogischen Arbeit, die Entwicklung seiner Persönlichkeit und seiner Fähigkeiten stehen im Vordergrund. Durch soziales Lernen werden die Kinder in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit unterstützt, können ihre Gefühle zum Ausdruck bringen, lernen kontaktfreudig, solidarisch und konfliktfähig zu sein.
Jedes Kind darf lernen, vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Kindern und den Pädagoginnen aufzubauen. Die Pädagoginnen ermutigen und unterstützen die Initiative und das Selbständigkeitsstreben des Kindes von Anfang an. Im Umgang mit der Gruppe wird die Fähigkeit entwickelt, eigene Emotionen und Bedürfnisse mit denjenigen anderer in Bezug zu setzen, eigene Interessen und die der anderen kennen zu lernen und miteinander abzuwägen.
In unserer täglichen Arbeit fließen Teile des Systemischen Ansatzes mit ein. Dieser geht davon aus, dass jeder Mensch Teil eines Systems ist, welches ihn beeinflusst und umgekehrt. Das Kind wird daher in seiner gesamten Lebenswelt wahrgenommen, so kann der ganzheitliche Entwicklungsprozess bestmöglich unterstützt werden. Oft führen Veränderungen eines Elements zur Änderung des gesamten Systems. Dies macht uns sensibel für sämtliche Prozesse, die in der Umwelt des einzelnen Kindes und der Kindergruppe sind. Ein Augenmerk der systemischen Pädagogik liegt auf den Ressourcen und der Ressourcenentwicklung. Dabei werden nicht nur die individuellen Ressourcen berücksichtigt, sondern auch das Potenzial, welches sich aus dem Zusammenspiel in der Gruppe ergeben kann.
Unsere Arbeit mit den Kindern ab elf Monaten bis zum Kindergartenalter zeichnet sich durch ein hohes Maß an Geborgenheit und Individualität aus und wird durch körperliche und emotionale Nähe und intensive Zuwendung begleitet. Ein wesentliches Element der emotionalen Fundierung ist der Hauptkontakt zur konstanten Betreuungsperson.
Elternarbeit ist ein wichtiger Baustein und stellt für Kinder unserer Altersgruppe die Verbindung zwischen Familie und dem Glücksfang dar. Bei uns haben Eltern die Gelegenheit, sich neben täglichen Tür- und Angelgesprächen auch in strukturiert aufbereiteten Elterngesprächen über die Entwicklung ihres Kindes und das Verhalten in der Gruppe zu informieren.
Ein Tag bei uns
Der Tagesablauf ist nicht als starrer Stundenplan anzusehen, jedoch helfen die täglich wiederkehrenden und festen Zeiten unseren Tageskindern, sich zu orientieren. Wiederkehrende Rituale und vertraute Abläufe ermöglichen es ihnen, den Tagesablauf zu verstehen und diesen möglichst selbständig zu bewältigen.
Exemplarischer Tagesablauf
7.30 Uhr | Begrüßen der ersten Kinder, Übergabegespräche
Versorgung der Tiere, Vorbereitung des Tages
Parallel Freispiel, freie Bewegungs- oder Spielangebote
8.30 Uhr | Bringzeit der letzten Kinder
8.45 Uhr | musikalischer Morgenkreis m. saisonalen und tagesaktuellen Inhalten
9.00 Uhr | Gemeinsames Frühstück
9.30 Uhr | 1. variable Einheit*
10.30 Uhr | Trinken und ggf. Snack / Wickeln
11.00 Uhr | Mittagsruhe / Schlaf
13.00 Uhr | Mittagessen
Händewaschen Wickeln
13.30 Uhr | 2. variable Einheit*
14.30 Uhr | Verabschieden und Abholen der Kinder
* in den Einheiten bereiten die Pädagoginnen verschiedene Angebote der tiergestützten Pädagogik, Hauswirtschaft, Psychomotorik, Buchbetrachtung, Kreativität oder Körperwahrnehmung vor.
Bedürfnisorientierung
Die emotionale und physische Sicherheit ist Grundvoraussetzung für jede frühkindliche Entwicklung. Ein Kind braucht für sein Wohlbefinden das Gefühl der Geborgenheit. Es muss sich verstanden und beachtet fühlen, insbesondere wenn seine kommunikativen Fähigkeiten noch eingeschränkt sind. Wenn das Kind, seine Eltern und wir als Betreuungspersonen einander kennen, verstehen und vertrauen, kann eine tragfähige Beziehung entstehen, die eine Ergänzung zum Familienalltag und eine Erziehungspartnerschaft darstellt.
Wir vertreten die Ansicht, Erziehung kann nur durch Beziehung wirken.
Unsere praktische Arbeit basiert auf den bindungs- und beziehungsorientierten Ansätzen nach Thomas Harms, Jesper Juul, Herbert Renz-Polster uvm.
Sichere Bindung
Die Bindung ist Voraussetzung für das Lernen und hat somit große Bedeutung für die frühkindliche Entwicklung. Hat ein Säugling oder ein Kleinkind zu einer Person eine Bindung aufgebaut, fühlt es sich sicher und kann von diesem „sicheren Hafen“ aus, den die Bindungsperson bietet, seine Umwelt untersuchen. Ist es verunsichert, ängstlich oder braucht Hilfe, kehrt es zur „Basis“ zurück.
Für die Entwicklung einer sicheren Bindung ist es wichtig, dass sich die jeweilige Bindungsperson dem Kind gegenüber feinfühlig verhält. Dies bedeutet, dass sie die „kindlichen Verhaltensweisen wahrnimmt, die Signale des Kindes richtig interpretiert und angemessen und prompt, entsprechend dem Alter des Säuglings, auf die Bedürfnisse des Kindes reagiert.“ (Ainsworth 1978)
"Die Qualität einer Bindung ist das Vertrauen in die Erreichbarkeit und Zuwendung der Bindungsperson, wenn sie zur Linderung von Leid gebraucht wird, und das begründete Vertrauen in die Wirksamkeit dieser Zuwendung zur eigenen Beruhigung" (Buchheim 2005).
Die Bedeutung des Spiels
Kinder brauchen für freies Spiel eine Atmosphäre aus Zeit, Muße, Gelassenheit und Ruhe. Letzteres ist in den Räumen des Kindergartens und bei großen Gruppenstärken nicht immer möglich. Statt jedoch in Stresssituationen wieder auf alte, gelernte Lehrmethoden zurückzugreifen, müssen wir versuchen, neue, andere Spiel-, Frei- und Lernräume mit den Kindern und für die Kinder zu entdecken.
"Nur im freien Spiel entfaltet sich menschliche Intelligenz." Für viele Eltern oder Fachkräfte sind "Anleiten" und "Beibringen" wichtige Bestandteile der täglichen Erziehungspraxis, doch Eltern und Erzieher müssen es aushalten können, dass Kinder frei spielen. Sie sollten die Umgebung so vorbereiten, dass sich alle Kinder optimal entwickeln können und dabei jedoch Gefahrensituationen vermeiden. Sie müssen den Kindern Sicherheit geben, Vertrauen in ihr Können setzen und an deren Kompetenz glauben. Erwachsene stehen lediglich als Spielpartner und Helfer zur Verfügung, wenn sie wirklich gebraucht werden. Sie kennen den kindlichen Entwicklungsplan und führen detaillierte Beobachtungen durch. Und nicht zuletzt ermöglicht die Freispielzeit uns, unsere Zeit und Aufmerksamkeit den einzelnen Kindern anzubieten, welche sie dringend brauchen.
Rituale und Regeln
„Riten“ oder „Rituale“ sind so alt wie der Mensch selbst. Das immer wiederkehrende ordnende Prinzip ist es, was ein Ritual ausmacht. Rituale begleiten den Menschen durch Übergangsphasen des Lebens und helfen ihm, die Anforderungen des Alltags zu meistern. Sie nehmen Ängste und bieten Sicherheit. Sie schaffen Strukturen und bilden Übergänge. Sie geben Halt in Krisen und emotionaler Aufruhr.
Rituale sind im sonst so schnelllebigen Alltag heute wichtiger denn je. Denn etwas stetig Wiederkehrendes sorgt für Vertrautheit und Geborgenheit, etwas, was Kinder schon in den ersten Lebensjahren kennen Kinder Vertrautes wiedererkennen.
Wichtig und notwendig ist es auch, Regeln aufzustellen und Grenzen zu setzen, um ein angenehmes Zusammenleben für alle Kinder zu gewährleisten und ihnen Sicherheit, durch ein verlässliches und Orientierung gebendes Verhalten, zu vermitteln. Deshalb ist unser Tagesablauf klar strukturiert, bietet aber selbstverständlich auch Raum für flexible Gestaltung.
Bewegung
„Bewegung bildet die Grundlage für vielseitige Lernprozesse und ist Voraussetzung für die Entwicklung kognitiver, emotionaler, sozialer und sprachlicher Fähigkeiten.“
Bewegung ist Ausdruck der Lebensfreude von Kindern, ihrer Vitalität und Entdeckerlust. Bewegung ist Quelle vielfältiger Erfahrungen, die dem Kind einen wesentlichen Zugang zur Welt erschließen. Sie ist ein Medium, durch das Kinder Erkenntnisse gewinnen können – und zwar über sich selbst und die Anderen, über ihre dingliche und räumliche Umwelt. Vor allem in den ersten Lebensjahren ist Bewegung ein wichtiges Erfahrungsinstrument, von dem es abhängt, in welcher Weise Kinder Eindrücke aus ihrer Umwelt aufnehmen und verarbeiten. (Zimmer, 2011)
Differenzierte Bewegungs- und Sinneserfahrungen unterstützen die Vernetzung der Nervenzellen im Gehirn und ermöglichen dadurch die Verarbeitung von Informationen. Sie schaffen darüber hinaus aber auch die Voraussetzungen zur Entwicklung von Selbstständigkeit und zur Bildung von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. (Zimmer, 2011)
Hofleben
Der Glücksfang ist Teil eines großen Ganzen. Unsere Räume befinden sich inmitten des Landwirtschaftsbetriebes von Almut und Herbert Gremmelt. Wo früher viele hundert Schweine grunzten, toben wir heute durch das Korn, wo früher die Großeltern die Beete harkten, sitzen wir heute im Sandkasten.
Die Zeiten ändern sich, doch die Traditionen bleiben und so ist es uns eine Freude, den Kindern in Kooperation mit den erfahrenen Landwirten den Weg vom Korn zum Brot und von Samen zur Frucht begreifbar zu machen. Unsere Eier sind von den Hühnern, die uns täglich grüßen, wir kochen mit Gemüse aus dem eigenen Beet und Obst von den Feldern. So erfahren unsere Kinder mit allen Sinnen, wie Lebensmittel entstehen und dass die Äpfel nicht aus dem Supermarkt kommen.